Täglich 10 – 18 Uhr

Dienstags Geschlossen

fritz winter. bauhausmaler

19.06. – 09.08.2026
Orangerie am Georgium
täglich 12 – 17 Uhr, Dienstag geschlossen

Fritz Winter (1905 – 1976) zählt zu den wichtigsten Vertretern der abstrakten Malerei in Deutschland. In seinem 50. Todesjahr möchte Dessau an den ehemaligen Bauhausschüler erinnern. In Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Kunstverein beleuchtet die Gemäldegalerie in einer Ausstellung die Zeit des Malers am Bauhaus und deren Bedeutung für sein späteres Werk und vor allem für seine Wahrnehmung in der Nachkriegszeit. Mit dem „Blonden Mädchen“ kaufte die Anhaltische Gemäldegalerie im Oktober 1928 als erstes Museum überhaupt ein Bild des aufstrebenden Künstlers an. Die Ausstellung spannt mit den ungefähr 50 gezeigten Werken den Bogen von der Dessauer Studienzeit Winters bis in die Mitte der 1950er Jahre, als er durch seine hervorgehobene Präsenz auf der ersten documenta in Kassel einen Höhepunkt öffentlicher Aufmerksamkeit erlebte.

Katalog

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog im Sandstein Verlag Dresden:

fritz winter. bauhausmaler
Hg. von Ruben Rebmann und Wolfgang Savelsberg
128 Seiten, 82 Abb.
26,5 × 22 cm, 128 Seiten
Festeinband
Buchhandelspreis 32,00 €
ISBN 978-3-95498-931-7

Das Erscheinen dieser Publikation wird ermöglicht durch die großzügige Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die großzügige Förderung der Hauslage-Stiftung.

Die aktuelle Berichterstattung des Mitteldeutschen Rundfunks einschließlich eines Audio-Beitrags finden Sie hier.

Einführung

Im Jubiläumsjahr „Bauhaus Dessau 100“ wird mit Fritz Winter (1905 – 1976) einer der wichtigsten Vertreter der abstrakten Malerei in Deutschland in den Fokus gestellt. Als Bauhausschüler hat er seine Ausbildung u.a. bei Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer erhalten. Ausgehend von seinem Frühwerk und den Arbeiten, die in seiner Studienzeit ab 1927 am Bauhaus entstanden und die Einflüsse des Unterrichts der Bauhausmeister spiegeln, soll seine Entwicklung über die formalen Experimente der 1930er Jahre, die Arbeiten der künstlerischen Isolation während der nationalsozialistischen Diktatur und des Kriegseinsatzes bis hin zu den Werken der unmittelbaren Nachkriegszeit präsentiert werden.

Neben einer chronologischen Ordnung der Ausstellung soll ein besonderes Augenmerk der Frage nach den Leitmotiven von Winters Kunst zuteilwerden, die sich auf seine Ausbildungszeit am Bauhaus zurückführen lassen. Denn auch wenn er sich stilistisch zunehmend von seinen Lehrern emanzipierte, hatte er sowohl im Hinblick auf seinen Kunst- und Werkbegriff als auch auf seine Themenwahl bereits in dieser Zeit grundlegende Vorstellungen und Präferenzen entwickelt. Dazu gehört die anhaltende Auseinandersetzung mit dem Themenbereich der Natur, insbesondere mit Phänomenen der Erde und des Lichts, die für ihn nicht nur als Motive sondern auch als universelle Prinzipien für seine Kunst von Bedeutung waren.

Die Kontakte, welche Winter in seiner Dessauer Zeit am Bauhaus und in dessen Umfeld knüpfte, waren für seine weitere Entwicklung bis tief in die Nachkriegszeit entscheidend. Hervorgehoben werden soll hier seine Beziehung zu Ludwig Grote (1893 – 1974), der den jungen Künstler in seiner Funktion als Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie und Vorsitzender des Anhaltischen Kunstvereins maßgeblich förderte. Schon 1928 stellte er Winter (nicht ohne Hintergedanken bezüglich der Rolle der freien Künste am Bauhaus) als einen der „jungen bauhausmaler“ aus. Im selben Jahr erwarb er mit dem Blonden Mädchen erstmals ein Werk Winters für eine Museumssammlung. Nach dem Krieg förderte Grote den aus der Gefangenschaft erst 1949 heimkehrenden Maler in seiner Rolle als einflussreicher Ausstellungskurator in München. In der jungen Bundesrepublik galt der Bauhausschüler Winter als Garant eines Anknüpfens der Gegenwartskunst an den Traditionen der Klassischen Moderne. Mitte der 1950er Jahre hatte der Maler durch seine prominente Präsenz auf der ersten documenta-Ausstellung und seinen festen Lehrauftrag an der Werkakademie Kassel einen Höhepunkt öffentlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung erreicht.

Biografie

1905
Am 22. September wird Fritz Winter in Altenbögge bei Unna als erstes von acht Kindern eines Bergmanns geboren.

1919-1926
Ausbildung und Tätigkeit als Grubenelektriker an der Zeche Westfalen in Ahlen, Phasen der Arbeitslosigkeit und des Einsatzes als Lehrhauer. Beginnt zu zeichnen und zu malen, Beschäftigung mit dem Werk von Vincent van Gogh und Paula Modersohn Becker. Wanderung durch Holland und Belgien.

1927-1931
Studium am Bauhaus in Dessau, wo er im Kurs von Wassily Kandinsky, an der Bühnenabteilung bei Oskar Schlemmer und in der Plastischen Werkstatt von Joost Schmidt lernt. Besondere Bedeutung hat für Winter die Aufnahme in die Freie Malklasse von Paul Klee.

1928
Der Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, Ludwig Grote, erwirbt Das blonde Mädchen für seine Sammlung: der erste Museumsankauf Fritz Winters.

1928/1929
Teilnahme an der Wanderausstellung „junge bauhausmaler“, die in Halle/Saale, Braunschweig, Erfurt und Krefeld gezeigt wird.

1929
Kontakt zu dem expressionistischen Maler Ernst Ludwig Kirchner, den er bis 1932 mehrmals in der Schweiz besucht.

1930
Winter gründet mit den Bauhäuslern Franz Ehrlich und Heinz Loew in Berlin das „Studio Z“. Er arbeitet für den russischen Konstruktivisten Naum Gabo, den er in Dessau kennengelernt hatte.

1931-1933
Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Akademie in Halle. Winter lernt seine spätere Frau Margarete Schreiber-Rüffer kennen.

1932
Reise nach Bologna, Florenz, Padua und Mailand.

1933
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zieht Winter mit Margarete Schreiber-Rüffer zunächst nach Allach bei München, um sich 1935 in Dießen am Ammersee anzusiedeln.

1937
Nachdem es ihm im Vorjahr gelungen war, in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen zu werden, erhält er nun von der NSDAP ein explizites Malverbot. Aus verschiedenen deutschen Museen werden seine Werke im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ aussortiert. Auch aus der Anhaltischen Gemäldegalerie wird ein Werk (Das Rote Pferd) entfernt.

1939-1945
Schon kurz vor Kriegsbeginn Einberufung in die Wehrmacht und dann Einsatz an der Ostfront. Seine Eindrücke hält er in seinen Kriegszeichnungen (auch Feldskizzen) fest.

1945-1949
Nach Kriegsende Gefangenschaft in Sibirien und an der Wolga. Unterstützt von Freunden wie Ludwig Grote und Will Grohmann, bemüht sich Margarete Schreiber-Rüffer um die Präsenz von Werken Fritz Winters auf Kunstausstellungen (zum Beispiel schon 1946 in Dresden).

1949
Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft wird Winter Gründungsmitglied der Gruppe „ZEN 49“ in München.

1950
Reisen nach Venedig (II. Preis der Biennale) und nach Paris, wo er Hans Hartung und Pierre Soulages trifft.

1953
Im Rahmen des Projekts „Abstrakte Maler lehren“ Übernahme einer Gastdozentur an der Landeskunstschule Hamburg.

1955
Zum Professor an der Werkakademie in Kassel (später Staatliche Hochschule für bildende Künste) berufen. Prominente Teilnahme an der ersten documenta-Ausstellung in Kassel, mit welcher er bis 1968 stark verbunden bleibt.

1958
Margarete Schreiber-Rüffer stirbt. Im Folgejahr geht Winter die Ehe mit Waltraut Schreiber ein.

1965-1966
Retrospektive Wanderausstellung zum 60. Geburtstag in Kassel, Koblenz, Hannover, Mannheim, Düsseldorf, Stuttgart und Berlin.

1968
Winter ist auf der u.a. von Ludwig Grote konzipierten Stuttgarter Jubiläumsausstellung „50 Jahre Bauhaus“ vertreten, welche, als Wanderausstellung konzipiert, die internationale Wahrnehmung des Bauhauses wesentlich bestimmen wird.

1970
Winter wird in Kassel emeritiert; er lebt und arbeitet weiterhin in Dießen.

1976
Am 1. Oktober stirbt Fritz Winter in Herrsching am Ammersee.